1. April 2014

Åk 9: "Mit gutem Gewissen" von Fritz

Herr Schultze steht vor dem Eingang des  Polizeigebäudes. Vor zwei  Jahren ist er hier täglich ein und aus gegangen doch jetzt ist er alt und Rentner. Er öffnet die Tür und geht rein. An dem Schreibtisch, wo er früher gearbeitet hat, sitzt jetzt sein Assistent Herr Müller, der jetzt selbst Kommissar ist. Herr Schultze begrüßt Müller mit einem freundlichen „Hallo Assistent“ und Herr Müller antwortet mit „Hallo Vorgesetzter“ und die Beiden lachen. Sie plaudern ein bisschen aber dann wird Herr Schultze ernst und fängt an zu erzählen.

 „Als ich jung war habe ich einen großen Fehler begangen. Ich habe eine Bank überfallen. Da war ich 19 Jahre alt und hatte gerade meine erste eigene Wohnung. Ich war die meiste Zeit mit meinem besten Freund zusammen und auf einmal hatte er diese Idee. Erst war ich noch dagegen aber dann hatte er mich überzeugt und wir taten es. Drei Millionen. Am Abend danach hatten wir in der Bar noch ein Bier getrunken, am nächsten Morgen hatten wir uns verabredet um uns zu treffen und uns zu entscheiden, was wir mit dem ganzen Geld mache wollten. Aber er kam nicht. Er war einfach abgehauen mit dem Geld. Da hatte ich mich entschieden Polizist zu werden.

Kannst du dich erinnern, wie ich immer die Überstunden gemacht habe aber nie sagen wollte, was ich gemacht habe? Jetzt kannst du es dir ja vorstellen. Ich habe über ihn herausgefunden, wo er wohnt, wo er arbeitet. Doch ich konnte die ganzen Jahre nichts machen. Wenn ich ihm nur zu nahe gekommen wäre, hätte er mich verraten. Meine Polizeikarriere wäre im Eimer und ich im Knast.“

Schultze legt Müller einen dicken Hefter mit Akten auf den ohnehin schon überladenen Schreibtisch. „Noch mehr Aktenarbeit?“ fragt Müller und lacht. „Nein, meine Überstunden. Tu mir einen letzten Gefallen und schnapp ihn dir. „Und was wird  dann aus dir?“ fragt Müller. „Mach dir um mich keine Sorgen.“ antwortete Schultze und ging.

Noch am selben Abend kriegt Schultze einen Anruf von Müller, dass sie ihn, Schultzes alten Freund, verhaftet haben und dass er alles gestanden hat. Als Herr Schultze sich diesen Abend schlafen legt, hat er ein Lächeln im Gesicht und er fühlt sich zufrieden.

Herr Müller hat sich sehr bemüht damit Herr Schutze nicht ins Gefängnis muss. Er verteidigte Herrn Schultze damit, dass das Verbrechen so lange her gewesen sei, dass Schultze doch wenigstens mildernde Umstände kriegen sollte, da er zur Lösung des Falls beigetragen habe, aber es hat alles nichts genutzt. Gegen seinen Willen fährt er mit seinen Kollegen zu Schultzes Wohnung um ihn zu verhaften. Sie klingeln aber es macht keiner auf. Herr Müller ruft mehrmals aber keiner antwortet. Schließlich treten sie die Tür ein und im Schlafzimmer finden sie den alten krebskranken Herr Schultze leblos im Bett liegend. Nach jenem Abend, wo er so zufrieden gewesen ist, ist er nie wieder aufgewacht. Doch es mag einem so vorkommen als hätte er immer noch dieses Lächeln im Gesicht.

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